Ibrutinib
Ibrutinib ist ein starker kleinmolekularer Bruton-Tyrosinkinase-(BTK-)Inhibitor aus der Gruppe der Proteinkinase-Inhibitoren (ATC-Code: L01EL01). Im zentralen EU-Verfahren wird es als Einzelsubstanz oder in Kombination mit Rituximab, Obinutuzumab, Venetoclax oder mit Bendamustin und Rituximab zur Behandlung erwachsener Patienten mit Mantelzell-Lymphom (MCL), chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) oder Morbus Waldenström (MW) angewendet.
Ibrutinib ist in der EU im zentralen Verfahren zugelassen (Zulassungsnummern der Filmtabletten EU/1/14/945/007 bis /012 sowie EU/1/14/945/005 und /006; Inhaber der Zulassung nach §7 der zitierten deutschen Fassung: Janssen-Cilag International NV, Turnhoutseweg 30, B-2340 Beerse, Belgien); die deutsche Fassung der Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (SmPC, Anhang I) wird von der Europäischen Arzneimittel-Agentur veröffentlicht und ist die Grundlage dieser Seite. Die Anwendungsgebiete sind wörtlich Abschnitt 4.1 der zitierten deutschen SmPC entnommen (Textbasis: gemeinsamer SmPC-Block der IMBRUVICA-Filmtabletten 140/280/420/560 mg; der Abschnitt 4.1 des Hartkapsel-Blocks ist bis auf eine Formulierung — „gefolgt von IMBRUVICA Monotherapie“ statt „gefolgt von IMBRUVICA als Monotherapie“ — wortgleich). Die Zeitangabe „Stand der Information“ ist in der zitierten Anhang-Fassung nicht ausgefüllt; deshalb wird auf dieser Seite kein Stand-Datum ausgewiesen.
Die Aussagen zum Wirkmechanismus (mechanism simple/advanced) stehen wörtlich in Abschnitt 5.1 (Pharmakodynamische Eigenschaften; Wirkmechanismus und Unterblöcke der Pharmakodynamik) der deutschen EMA-Dokumentation und wurden gegen den US-amerikanischen FDA-Label für IMBRUVICA (12.1 Mechanism of Action, 12.2 Pharmacodynamics) in der Faktenrichtung abgeglichen; der FDA-Label betrifft das US-Produkt und trifft keine Aussage über eine Zulassung in Deutschland oder der EU. Die Target-Angabe ist einzelbelegt und wörtlich Abschnitt 5.1 der EMA-Dokumentation entnommen. Nicht übernommen wurden die Sätze zur Kombination mit Venetoclax in präklinischen Tumormodellen und zur BCL-2-Abhängigkeit der CLL-Zellen (Kombinations-Präklinik, nicht der Mechanismus des Ibrutinib allein), der gesamte Unterblock „Lymphozytose“ einschließlich der Aussage, dass sie „nicht als Anzeichen einer progressiven Erkrankung betrachtet werden“ soll (Handling-Hinweis mit Dosierungsbezug), sowie die QT-Untersuchung an 20 Probanden. Dosierung, Gegenanzeigen, Warnhinweise, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen stehen vollständig in SmPC und Packungsbeilage. Diese Seite ist Information, kein medizinischer Rat.
Wie es wirkt
Erklärt, was das Medikament im Körper bewirkt – nicht Dosierung, Nebenwirkungen oder Sicherheit.
Eine Analogie
B-Zellen überleben, vermehren sich und wandern nur, wenn das Enzym BTK die Signale ihrer Oberflächenrezeptoren (des B-Zell-Antigen-Rezeptors) weiterleitet – ein Signalweg, der bei verschiedenen B-Zell-Krebserkrankungen überaktiv ist und das Tumorwachstum antreibt. Ibrutinib legt dieses Enzym dauerhaft lahm: Es bindet fest (kovalent) an einen bestimmten Baustein (den Cysteinrest Cys-481) im aktiven Zentrum der BTK, sodass die BTK-Aktivität anhaltend gehemmt bleibt. Ohne dieses Signal verlieren die bösartigen B-Zellen ihre Fähigkeit zu wachsen und zu überleben.
Einfach erklärt
Ibrutinib ist ein starker kleinmolekularer (small-molecule) Bruton-Tyrosinkinase-(BTK-)Inhibitor. Ibrutinib bildet eine kovalente Bindung mit einem Cysteinrest (Cys-481) im aktiven Zentrum der BTK, was zu einer anhaltenden Hemmung der enzymatischen Aktivität der BTK führt. BTK, ein Mitglied der Familie der Tec-Kinasen, ist ein wichtiges Signalmolekül im Signalweg des B-Zell-Antigen-Rezeptors (B-cell antigen receptor, BCR) und des Zytokin-Rezeptors.
Im Detail
Der BCR-Signalweg ist an der Pathogenese verschiedener B-Zell-Malignome beteiligt, einschließlich MCL, diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (diffuse large B-cell lymphoma, DLBCL), follikulärem Lymphom und CLL. Die entscheidende Rolle von BTK bei der Signalübertragung durch die B-Zell-Oberflächenrezeptoren führt zur Aktivierung von Signalwegen, die für die Migration, die Chemotaxis und die Adhäsion von B-Zellen notwendig sind. Präklinische Studien haben gezeigt, dass Ibrutinib in vivo die Proliferation und das Überleben maligner B-Zellen sowie in vitro die Migration und Substratadhäsion der Zellen effektiv hemmt. In einer in vitro-Studie hat Ibrutinib eine Hemmung der kollageninduzierten Thrombozytenaggregation gezeigt. Bei der Anwendung anderer Agonisten der Thrombozytenaggregation zeigte Ibrutinib keine wesentliche Hemmung der Thrombozytenaggregation.
Den Mechanismus in Bewegung sehen
Schematische Animation des Mechanismus — zur Verständlichkeit vereinfacht, nicht maßstabsgetreu.
Kovalente Bindung im aktiven Zentrum von BTK
- BTK ist ein Signalmolekül im Signalweg des B-Zell-Antigen-Rezeptors (BCR) und des Zytokin-Rezeptors.
- In B-Zellen führt die BTK-Signalübertragung zum Überleben und zur Proliferation der Zellen.
- Die Bindung an ein Cystein im aktiven Zentrum der BTK ist kovalent.
- Zur Adhäsion, zur Migration und zur Chemotaxis führt die Signalübertragung bei B-Zellen.
Zielstruktur: Bruton-Tyrosinkinase (BTK)
BTK, ein Mitglied der Familie der Tec-Kinasen, ist ein wichtiges Signalmolekül im Signalweg des B-Zell-Antigen-Rezeptors (B-cell antigen receptor, BCR) und des Zytokin-Rezeptors.
Zugelassene Anwendungsgebiete
Zulassungen unterscheiden sich je nach Land und ändern sich im Zeitverlauf. Maßgeblich ist stets die aktuelle Fachinformation.
Zugelassene Anwendungsgebiete in European Union
EMA- IMBRUVICA in Kombination mit Rituximab, Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin und Prednisolon (IMBRUVICA + R-CHOP) im Wechsel mit R-DHAP (oder R-DHAOx) ohne IMBRUVICA, gefolgt von IMBRUVICA als Monotherapie, ist indiziert zur Behandlung erwachsener Patienten mit nicht vorbehandeltem Mantelzell-Lymphom (mantle cell lymphoma, MCL), die für eine autologe Stammzelltransplantation (ASZT) geeignet sein könnten.
- IMBRUVICA als Einzelsubstanz ist indiziert zur Behandlung erwachsener Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem MCL.
- IMBRUVICA als Einzelsubstanz oder in Kombination mit Rituximab oder Obinutuzumab oder Venetoclax ist indiziert zur Behandlung erwachsener Patienten mit nicht vorbehandelter chronischer lymphatischer Leukämie (chronic lymphocytic leukaemia, CLL) (siehe Abschnitt 5.1).
- IMBRUVICA als Einzelsubstanz oder in Kombination mit Bendamustin und Rituximab (BR) ist indiziert zur Behandlung erwachsener Patienten mit CLL, die mindestens eine vorangehende Therapie erhalten haben.
- IMBRUVICA als Einzelsubstanz ist indiziert zur Behandlung erwachsener Patienten mit Morbus Waldenström (MW), die mindestens eine vorangehende Therapie erhalten haben, oder zur Erstlinien-Therapie bei Patienten, die für eine Chemo-Immuntherapie nicht geeignet sind.
- IMBRUVICA in Kombination mit Rituximab ist indiziert zur Behandlung erwachsener Patienten mit MW.
Offizielle Quellen
Die Aussagen auf dieser Seite lassen sich auf diese Dokumente zurückführen.
- Imbruvica – Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Anhang I, deutsche Fassung)
Janssen-Cilag International NV
- IMBRUVICA (ibrutinib) – US-FDA-Arzneimittelinformation (openFDA-Label), 12.1 Mechanism of Action
U.S. Food and Drug Administration
- S3-Leitlinie CLL - AWMF 018-032, 2025
AWMF - Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
Diese Seite erklärt, wie das Medikament im Körper wirkt – die Packungsbeilage ersetzt sie nicht. Für alles, was Sie konkret betrifft, gilt: Packungsbeilage lesen oder in der Apotheke nachfragen.
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