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Etanercept

Immunsuppressiva, Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α)-Inhibitoren, ATC-Code: L04AB01

Etanercept ist ein dimerer löslicher Rezeptor, der als kompetitiver Inhibitor die Bindung von TNF an seine Zelloberflächenrezeptoren blockiert, aus der Gruppe der Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α)-Inhibitoren (ATC-Code: L04AB01). Im zentralen EU-Verfahren wird die zitierte Zulassung Enbrel unter anderem bei rheumatoider Arthritis, juveniler idiopathischer Arthritis, Psoriasis-Arthritis, axialer Spondyloarthritis und Plaque-Psoriasis angewendet.

Etanercept ist in der EU im zentralen Verfahren zugelassen (Zulassungsnummern EU/1/99/126/…; Inhaber der Zulassung nach §7 der zitierten deutschen Fassung: Pfizer Europe MA EEIG, Boulevard de la Plaine 17, 1050 Brüssel, Belgien; Datum der Erteilung der Zulassung: 03. Februar 2000, Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 26. November 2009); die zitierte deutsche Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (SmPC, Anhang I) betrifft das Handelspräparat Enbrel – die Ursprungszulassung des Wirkstoffs im zentralen Verfahren. Das Dokument enthält sechs zulassungsspezifische SmPC-Blöcke; Textbasis dieser Seite ist der Fertigspritze-Block, dessen zweizeilige §1-Druckform „Enbrel 25 mg Injektionslösung in Fertigspritze“ / „Enbrel 50 mg Injektionslösung in Fertigspritze“ lautet. Die Abschnitte 4.1 der Blöcke Pulver, Pulver und Lösungsmittel, Fertigspritze, Fertigpen und Patrone sind wortgleich (programmgestützt bestätigt); nur der 10-mg-Block „zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen“ führt den pädiatrischen Auszug derselben Anwendungsgebiete (Polyarthritis und erweiterte Oligoarthritis ab 2 Jahren, Psoriasis-Arthritis und enthesitis-assoziierte Arthritis ab 12 Jahren, chronische schwere Plaque-Psoriasis ab 6 Jahren). Die Anwendungsgebiete sind wörtlich Abschnitt 4.1 der zitierten deutschen SmPC entnommen; die Seite beschreibt den Wirkstoff Etanercept am Beispiel der zitierten Zulassung, nicht alle Etanercept-haltigen Arzneimittel der EU. Der PsA-Absatz von 4.1 steht in der Quelle als ein Absatz mit zwei Sätzen; die Aufzählung gibt ihn satzweise wieder (Druckform erhalten). Die Zeitangabe „Stand der Information“ ist in der zitierten Anhang-Fassung nicht ausgefüllt; deshalb wird auf dieser Seite kein Stand-Datum ausgewiesen.

Die Aussagen zum Wirkmechanismus (mechanism simple/advanced) stehen wörtlich in Abschnitt 5.1 (Pharmakodynamische Eigenschaften; Unterabschnitt Wirkmechanismus) der deutschen EMA-Dokumentation – diese Fassung führt keinen Unterblock „Pharmakodynamische Wirkungen“ (Ein-Form-Fall wie de/pregabalin und de/ustekinumab) – und wurden gegen den US-amerikanischen FDA-Label für ENBREL (12.1 Mechanism of Action, 12.2 Pharmacodynamics) in der Faktenrichtung abgeglichen; der FDA-Label betrifft das US-Produkt und trifft keine Aussage über eine Zulassung in Deutschland oder der EU. Die Target-Angabe ist einzelbelegt und wörtlich Abschnitt 5.1 der EMA-Dokumentation entnommen. Nicht übernommen wurden der Einschub, dass beide TNFRs physiologisch in membrangebundener und löslicher Form vorkommen, die Sätze zur Quervernetzung der Zelloberflächen-TNFRs durch Homotrimere und zur regulatorischen Rolle löslicher TNFRs („Es wird angenommen, dass die löslichen TNFRs die biologische Aktivität von TNF regulieren.“) sowie der gegenüber der früheren Seitenfassung neue Satz zu erhöhten TNF-Spiegeln durch Entzündungszell-Infiltration bei Plaque-Psoriasis, weil der FDA-Label für diese Formulierungen keine Entsprechung in der Faktenrichtung liefert – ebenso die US-Aussage, dass in vitro keine großen Etanercept/TNF-α-Komplexe nachgewiesen wurden und transmembran-TNF-tragende Zellen nicht lysiert werden. Die Umbruchstelle „und/oder“ (Abschnitt 4.1, nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis) erscheint im Textextrakt als „und/ oder“; die Seite gibt die Druckform wieder. Dosierung, Gegenanzeigen, Warnhinweise, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen stehen vollständig in SmPC und Packungsbeilage. Diese Seite ist Information, kein medizinischer Rat.

Wie es wirkt

Erklärt, was das Medikament im Körper bewirkt – nicht Dosierung, Nebenwirkungen oder Sicherheit.

Eine Analogie

TNF ist ein Entzündungs-Botenstoff, der erst an einen Rezeptor auf der Zelloberfläche andocken muss, um sein Signal auszulösen. Etanercept wirkt wie ein Lockrezeptor, der frei im Blut schwimmt und TNF abfängt, bevor es die Zelle erreicht – als doppelt ausgelegter löslicher Rezeptor bindet es TNF sogar fester als die einzelnen Rezeptoren auf der Zelle. Das abgefangene TNF bleibt wirkungslos, und die von ihm angestoßenen Entzündungsreaktionen bleiben aus.

Einfach erklärt

Etanercept ist ein kompetitiver Inhibitor der Bindung von TNF an seine Zelloberflächenrezeptoren und hemmt dadurch die biologische Aktivität von TNF. TNF und Lymphotoxin sind proinflammatorische Zytokine, die an zwei unterschiedliche Zelloberflächenrezeptoren binden: die 55-Kilodalton (p55)- und 75-Kilodalton (p75)-Tumornekrosefaktor-Rezeptoren (TNFRs). Man geht davon aus, dass der Wirkmechanismus von Etanercept auf der kompetitiven Hemmung der Bindung von TNF an seine Zelloberflächen-TNFRs beruht, was zu einer biologischen Inaktivität von TNF und somit zu einer Verhinderung der durch TNF hervorgerufenen Zellreaktionen führt.

Im Detail

Tumornekrosefaktor (TNF) ist ein dominantes Zytokin im Entzündungsprozess der rheumatoiden Arthritis. Erhöhte TNF-Spiegel wurden ebenfalls in der Synovialis und den psoriatischen Plaques von Patienten mit Psoriasis-Arthritis sowie im Serum und im synovialen Gewebe von Patienten mit Morbus Bechterew gefunden. Dimere lösliche Rezeptoren, wie Etanercept, haben eine höhere Affinität zu TNF als monomere Rezeptoren und sind deshalb potentere kompetitive Inhibitoren der TNF-Bindung an dessen Zellrezeptoren. Des Weiteren führt die Verwendung einer Immunglobulin Fc-Region als Verbindungselement bei der Konstruktion dimerer Rezeptoren zu einer längeren Serumhalbwertszeit. Etanercept kann auch biologische Reaktionen modulieren, die durch zusätzliche Moleküle der Entzündungskaskade (z. B. Zytokine, Adhäsionsmoleküle oder Proteinasen) kontrolliert und durch TNF hervorgerufen oder reguliert werden.

Den Mechanismus in Bewegung sehen

Schematische Animation des Mechanismus — zur Verständlichkeit vereinfacht, nicht maßstabsgetreu.

Wie Etanercept als Lockrezeptor TNF einfängt

Tumornekrosefaktor-alpha (TNF)EtanerceptDas Botenstoff-Signal bleibt unbeantwortet
  1. TNF zirkuliert als Botenstoff und muss erst an einen Rezeptor auf der Zelle andocken, um Wirkung zu entfalten.
  2. Etanercept wirkt als Lockrezeptor: die löslichen Rezeptoren haben eine höhere Affinität zu TNF als die zellständigen.
  3. Als kompetitiver Inhibitor blockiert Etanercept die Bindung von TNF an seine Zelloberflächenrezeptoren.
  4. TNF bleibt biologisch inaktiv; die von TNF hervorgerufenen Zellreaktionen werden verhindert.
Wie Etanercept wirkt

Zielstruktur: Tumornekrosefaktor-alpha (TNF)

Etanercept ist ein kompetitiver Inhibitor der Bindung von TNF an seine Zelloberflächenrezeptoren und hemmt dadurch die biologische Aktivität von TNF.

Zugelassene Anwendungsgebiete

Zulassungen unterscheiden sich je nach Land und ändern sich im Zeitverlauf. Maßgeblich ist stets die aktuelle Fachinformation.

Zugelassene Anwendungsgebiete in European Union

EMA
  • Rheumatoide Arthritis
  • Enbrel ist in Kombination mit Methotrexat zur Behandlung der mittelschweren bis schweren aktiven rheumatoiden Arthritis bei Erwachsenen indiziert, wenn das Ansprechen auf Basistherapeutika, einschließlich Methotrexat (sofern nicht kontraindiziert), unzureichend ist.
  • Enbrel kann im Falle einer Unverträglichkeit gegenüber Methotrexat oder wenn eine Fortsetzung der Behandlung mit Methotrexat nicht möglich ist, als Monotherapie angewendet werden.
  • Enbrel ist ebenfalls indiziert zur Behandlung der schweren, aktiven und progressiven rheumatoiden Arthritis bei Erwachsenen, die zuvor nicht mit Methotrexat behandelt worden sind.
  • Enbrel reduziert als Monotherapie oder in Kombination mit Methotrexat das Fortschreiten der radiologisch nachweisbaren strukturellen Gelenkschädigungen und verbessert die körperliche Funktionsfähigkeit.
  • Juvenile idiopathische Arthritis
  • Behandlung der Polyarthritis (Rheumafaktor-positiv oder -negativ) und der erweiterten (extended) Oligoarthritis bei Kindern und Jugendlichen ab dem Alter von 2 Jahren, die unzureichend auf eine Methotrexat-Behandlung angesprochen haben oder eine Methotrexat-Behandlung nicht vertragen.
  • Behandlung der Psoriasis-Arthritis (Arthritis psoriatica) bei Jugendlichen ab dem Alter von 12 Jahren, die unzureichend auf eine Methotrexat-Behandlung angesprochen haben oder eine Methotrexat-Behandlung nicht vertragen.
  • Behandlung der Enthesitis-assoziierten Arthritis bei Jugendlichen ab dem Alter von 12 Jahren, die unzureichend auf eine konventionelle Therapie angesprochen haben oder eine konventionelle Therapie nicht vertragen.
  • Psoriasis-Arthritis (Arthritis psoriatica)
  • Behandlung der aktiven und progressiven Psoriasis-Arthritis bei Erwachsenen, wenn das Ansprechen auf eine vorhergehende Basistherapie unzureichend ist.
  • Enbrel verbessert die körperliche Funktionsfähigkeit bei Patienten mit Psoriasis-Arthritis und reduziert das Fortschreiten der radiologisch nachweisbaren strukturellen Schädigungen der peripheren Gelenke bei Patienten mit polyartikulären symmetrischen Subtypen der Erkrankung.
  • Axiale Spondyloarthritis
  • Morbus Bechterew (ankylosierende Spondylitis [AS])
  • Behandlung des schweren aktiven Morbus Bechterew bei Erwachsenen, die unzureichend auf eine konventionelle Behandlung angesprochen haben.
  • Nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis
  • Behandlung Erwachsener mit schwerer nicht-röntgenologischer axialer Spondyloarthritis, mit objektiven, durch erhöhtes C-reaktives Protein (CRP) und/oder Magnetresonanztomographie (MRT) nachgewiesenen Anzeichen einer Entzündung, die unzureichend auf eine Behandlung mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSARs) angesprochen haben.
  • Plaque-Psoriasis
  • Behandlung Erwachsener mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis, die auf eine andere systemische Therapie wie Ciclosporin, Methotrexat oder Psoralen und UVA-Licht (PUVA) nicht angesprochen haben oder bei denen eine Kontraindikation oder Unverträglichkeit einer solchen Therapie vorliegt (siehe Abschnitt 5.1).
  • Plaque-Psoriasis bei Kindern und Jugendlichen
  • Behandlung der chronischen schweren Plaque-Psoriasis bei Kindern und Jugendlichen ab dem Alter von 6 Jahren, die unzureichend auf eine andere systemische Therapie oder Lichttherapie angesprochen haben oder sie nicht vertragen.

Offizielle Quellen

Die Aussagen auf dieser Seite lassen sich auf diese Dokumente zurückführen.

Diese Seite erklärt, wie das Medikament im Körper wirkt – die Packungsbeilage ersetzt sie nicht. Für alles, was Sie konkret betrifft, gilt: Packungsbeilage lesen oder in der Apotheke nachfragen.

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