Tacrolimus
Tacrolimus ist ein Calcineurin-Inhibitor (ATC-Code: L04AD02): als Komplex mit dem zytosolischen Protein FKBP12 geht es eine spezifische und kompetitive Bindung an Calcineurin ein und hemmt es, was die T-Zell-Signaltransduktion calciumabhängig blockiert. Modigraf wird im zentralen EU-Verfahren zur Prophylaxe und Behandlung der Transplantatabstoßung angewendet.
Tacrolimus ist in der EU im zentralen Verfahren zugelassen (Zulassungsnummern EU/1/09/523/001 für Modigraf 0,2 mg und EU/1/09/523/002 für Modigraf 1 mg Granulat zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen; Inhaber der Zulassung nach §7 der zitierten deutschen Fassung: Astellas Pharma Europe B.V., Sylviusweg 62, 2333 BE Leiden, Niederlande); die deutsche Fassung der Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (SmPC, Anhang I) wird von der Europäischen Arzneimittel-Agentur veröffentlicht und ist die Grundlage dieser Seite. Die Anwendungsgebiete sind wörtlich Abschnitt 4.1 der zitierten deutschen SmPC entnommen (Textbasis: das Anhang-Dokument enthält einen einzigen SmPC-Block, gemeinsam für beide Stärken). Die Zeitangabe „Stand der Information“ ist in der zitierten Anhang-Fassung nicht ausgefüllt – an der Stelle der Druckform steht der unbestückte Platzhalter „{Monat JJJJ}“; deshalb wird auf dieser Seite kein Stand-Datum ausgewiesen.
Die Aussagen zum Wirkmechanismus (mechanism simple/advanced) stehen wörtlich in Abschnitt 5.1 (Pharmakodynamische Eigenschaften; Wirkmechanismus und pharmakodynamische Wirkungen) der deutschen EMA-Dokumentation und wurden gegen den US-amerikanischen FDA-Label für PROGRAF (12.1 Mechanism of Action) in der Faktenrichtung abgeglichen; der FDA-Label betrifft das US-Produkt in Kapsel-/Tablettenform (Modigraf = Granulat zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen) – die zitierten 12.1-Sätze sind substanzbezogen und decken die Richtung des deutschen 5.1, Zitatberechtigungslinie analog dem ruxolitinib-Konsens (Record enthält den Abschnitt), die Formdifferenz ist notiert; der Label trifft keine Aussage über eine Zulassung in Deutschland oder der EU. Die deutsche Druckform setzt vor „-Interferon“ ein Symbol-Schrift-Zeichen (U+F067), das auf dieser Seite quellgemäß als „γ-Interferon“ wiedergegeben wird. Nicht übernommen wurden der US-Satz zu NF-AT/NF-κB und die IL-1-Beta-/IL-4-/IL-5-Aufzählung aus 12.1 (US-seitig, ohne deutsches 5.1-Gegenstück) sowie die Blöcke „Klinische Wirksamkeit und Sicherheit“ (Lungen-, Pankreas-, Darm-, Herz- und Nierentransplantationsdaten, Umstellungsstudien) und die deutschen Sätze zur zweimal täglichen Gabe; Dosierung und Talspiegelangaben gehören nicht auf die Mechanismusseite. Dosierung, Gegenanzeigen, Warnhinweise, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen stehen vollständig in SmPC und Packungsbeilage. Diese Seite ist Information, kein medizinischer Rat.
Wie es wirkt
Erklärt, was das Medikament im Körper bewirkt – nicht Dosierung, Nebenwirkungen oder Sicherheit.
Eine Analogie
Tacrolimus wirkt hinter dem Rezeptor, aber vor der Genablesung: Im Zellinnern reichert es sich über das zytosolische Protein FKBP12 an; der entstandene Komplex legt sich spezifisch und kompetitiv auf Calcineurin und schaltet dessen Phosphatase-Aktivität aus. Ohne Calcineurin erreichen die Calcium-/Calmodulin-Signale die Lymphokin-Gene nicht – die T-Zelle wird nicht aktiviert.
Einfach erklärt
Auf molekularer Ebene dürften die Wirkungen von Tacrolimus durch seine Bindung an ein zytosolisches Protein (FKBP12) vermittelt werden, das für die Anreicherung der Substanz im Zellinnern verantwortlich ist. Der Komplex aus FKBP12 und Tacrolimus geht mit Calcineurin eine spezifische und kompetitive Bindung ein und inhibiert Calcineurin.
Im Detail
Dies führt zu einer calciumabhängigen Hemmung von Signaltransduktionswegen in der T-Zelle und verhindert damit die Transkription einer bestimmten Reihe von Lymphokin-Genen. Tacrolimus ist ein hochwirksames Immunsuppressivum, dessen Aktivität sowohl in vitro als auch in vivo nachgewiesen werden konnte. Tacrolimus hemmt speziell die Bildung zytotoxischer Lymphozyten, die für die Transplantatabstoßung in erster Linie verantwortlich sind. Tacrolimus unterdrückt die Aktivierung der T-Zellen und die von den T-Helferzellen abhängige Proliferation der B-Zellen, ferner die Bildung von Lymphokinen (wie Interleukin-2, Interleukin-3 und γ-Interferon) sowie die Expression des Interleukin-2-Rezeptors.
Den Mechanismus in Bewegung sehen
Schematische Animation des Mechanismus — zur Verständlichkeit vereinfacht, nicht maßstabsgetreu.
Tacrolimus wirkt hinter dem Rezeptor, aber vor der Genablesung
- Auf molekularer Ebene dürften die Wirkungen von Tacrolimus durch seine Bindung an ein zytosolisches Protein (FKBP12) vermittelt werden, das für die Anreicherung der Substanz im Zellinnern verantwortlich ist.
- Der Komplex aus FKBP12 und Tacrolimus geht mit Calcineurin eine spezifische und kompetitive Bindung ein und inhibiert Calcineurin.
- Dies führt zu einer calciumabhängigen Hemmung von Signaltransduktionswegen in der T-Zelle und verhindert damit die Transkription einer bestimmten Reihe von Lymphokin-Genen.
- Tacrolimus hemmt speziell die Bildung zytotoxischer Lymphozyten, die für die Transplantatabstoßung in erster Linie verantwortlich sind.
Zielstruktur: Calcineurin
Der Komplex aus FKBP12 und Tacrolimus geht mit Calcineurin eine spezifische und kompetitive Bindung ein und inhibiert Calcineurin.
Zugelassene Anwendungsgebiete
Zulassungen unterscheiden sich je nach Land und ändern sich im Zeitverlauf. Maßgeblich ist stets die aktuelle Fachinformation.
Zugelassene Anwendungsgebiete in European Union
EMA- Prophylaxe der Transplantatabstoßung bei erwachsenen und pädiatrischen Nieren-, Leber- oder Herztransplantatempfängern.
- Behandlung der Transplantatabstoßung, die sich gegenüber anderen Immunsuppressiva als therapieresistent erweist, bei Erwachsenen und Kindern und Jugendlichen.
Offizielle Quellen
Die Aussagen auf dieser Seite lassen sich auf diese Dokumente zurückführen.
- Modigraf – Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Anhang I, deutsche Fassung)
Astellas Pharma Europe B.V.
- PROGRAF (tacrolimus) – US-FDA-Arzneimittelinformation (openFDA-Label), 12.1 Mechanism of Action
U.S. Food and Drug Administration
- S2k ZAE Behandlungsempfehlungen zur Organtransplantation - AWMF 083-035, 2022
AWMF - Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
- Risikoinformation Tacrolimus bei atopischer Dermatitis - BfArM 2005
Bundesinstitut fuer Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)
Diese Seite erklärt, wie das Medikament im Körper wirkt – die Packungsbeilage ersetzt sie nicht. Für alles, was Sie konkret betrifft, gilt: Packungsbeilage lesen oder in der Apotheke nachfragen.
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