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Ravulizumab

Immunsuppressiva, Komplementinhibitoren, ATC-Code: L04AJ02

Ravulizumab ist ein monoklonaler Antikörper, der spezifisch an das Komplementprotein C5 bindet und dessen Spaltung in C5a und C5b hemmt. Im zentralen EU-Verfahren wird es zur Behandlung von PNH und aHUS bei Patienten ab einem Körpergewicht von 10 kg sowie bei generalisierter Myasthenia gravis und NMOSD bei Erwachsenen angewendet.

Ravulizumab ist in der EU im zentralen Verfahren zugelassen (Zulassungsnummern EU/1/19/1371/002 und EU/1/19/1371/003; Inhaber der Zulassung nach §7 der zitierten deutschen Fassung: Alexion Europe SAS, 103-105, rue Anatole France, 92300 Levallois-Perret, Frankreich); die deutsche Fassung der Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (SmPC, Anhang I) wird von der Europäischen Arzneimittel-Agentur veröffentlicht und ist die Grundlage dieser Seite. Die Anwendungsgebiete sind wörtlich Abschnitt 4.1 der zitierten deutschen SmPC entnommen (Textbasis: gemeinsamer SmPC-Block für Ultomiris 300 mg/3 ml und 1 100 mg/11 ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung; die zitierte Anhang-Fassung enthält nur diesen einen SmPC-Block). Die Zeitangabe „Stand der Information“ ist in der zitierten Anhang-Fassung nicht ausgefüllt; deshalb wird auf dieser Seite kein Stand-Datum ausgewiesen.

Die Aussagen zum Wirkmechanismus (mechanism simple/advanced) stehen wörtlich in Abschnitt 5.1 (Pharmakodynamische Eigenschaften; Wirkmechanismus und Pharmakodynamische Wirkungen) der deutschen EMA-Dokumentation und wurden gegen den US-amerikanischen FDA-Label für ULTOMIRIS (12.1 Mechanism of Action, 12.2 Pharmacodynamics) in der Faktenrichtung abgeglichen; der FDA-Label betrifft das US-Produkt und trifft keine Aussage über eine Zulassung in Deutschland oder der EU. Die Target-Angabe ist einzelbelegt und wörtlich Abschnitt 5.1 der EMA-Dokumentation entnommen. Nicht übernommen wurde der Unterblock „Klinische Wirksamkeit und Sicherheit“ aus Abschnitt 5.1 (Studienprogramme und -daten, nicht Wirkmechanismus); US-Formulierungen ohne deutsches Gegenstück (u. a. die „presumed“-Einschränkung der gMG-/NMOSD-Mechanismen in 12.1 und die LDH-Normalisierungssätze in 12.2) wurden nicht übernommen. Die ATC-Kennung der Druckform lautet „L04A J02“ (Zwischenraum im Code); diese Seite weist die Normform L04AJ02 aus, Originalform und Abbildung sind im Prüfbericht dokumentiert. Dosierung, Gegenanzeigen, Warnhinweise, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen stehen vollständig in SmPC und Packungsbeilage. Diese Seite ist Information, kein medizinischer Rat.

Wie es wirkt

Erklärt, was das Medikament im Körper bewirkt – nicht Dosierung, Nebenwirkungen oder Sicherheit.

Eine Analogie

Das Komplementsystem funktioniert wie eine Kette von Signalschritten; an ihrem Ende spaltet das Protein C5 in die Bruchstücke C5a und C5b, und aus C5b geht der Membranangriffskomplex (C5b-9) hervor. Ravulizumab blockiert genau diesen Endpunkt: es bindet C5 spezifisch, verhindert die Spaltung und die Bildung von C5b-9, während die frühen Komponenten der Komplementaktivierung erhalten bleiben.

Einfach erklärt

Ravulizumab ist ein monoklonaler IgG2/4K-Antikörper, der spezifisch an das Komplementprotein C5 bindet und dadurch dessen Spaltung in C5a (das proinflammatorische Anaphylatoxin) und C5b (die initiierende Untereinheit des Membranangriffskomplexes [MAC oder C5b-9]) hemmt und die Bildung des C5b-9 verhindert. Ravulizumab erhält die frühen Komponenten der Komplementaktivierung, die von wesentlicher Bedeutung für die Opsonisierung von Mikroorganismen und die Elimination (Clearance) von Immunkomplexen sind.

Im Detail

Nach der Ravulizumab-Behandlung wurde sowohl bei zuvor nicht mit Komplementinhibitoren behandelten erwachsenen und pädiatrischen Patienten als auch bei mit Eculizumab vorbehandelten Patienten mit PNH in Phase-3-Studien eine sofortige, vollständige und anhaltende Hemmung von freiem Serum-C5 (Konzentration von < 0,5 µg/ml) am Ende der ersten Infusion beobachtet und über den gesamten 26-wöchigen Behandlungszeitraum aufrechterhalten, und zwar bei allen Patienten. Eine sofortige und vollständige Hemmung von freiem C5 im Serum wurde auch bei erwachsenen und pädiatrischen Patienten mit aHUS, bei erwachsenen Patienten mit gMG und bei erwachsenen Patienten mit NMOSD am Ende der ersten Infusion und während des primären Behandlungszeitraums beobachtet. Umfang und Dauer des pharmakodynamischen Ansprechens bei Patienten mit PNH, aHUS, gMG oder NMOSD waren bei Ravulizumab expositionsabhängig. Konzentrationen von freiem C5 von weniger als 0,5 µg/ml korrelierten mit einer maximalen intravasalen Hämolysekontrolle und einer vollständigen Hemmung des terminalen Komplements. Bei gMG führt die Aktivierung des terminalen Komplements zu MAC-Ablagerungen an den neuromuskulären Verbindungsstellen und zu einer Beeinträchtigung der neuromuskulären Übertragung. Bei NMOSD führt eine Aktivierung des terminalen Komplements zur MAC-Entstehung und C5a-abhängigen Entzündung, Astrozytennekrose und Schädigung von umliegenden Ganglienzellen und Neuronen.

Den Mechanismus in Bewegung sehen

Schematische Animation des Mechanismus — zur Verständlichkeit vereinfacht, nicht maßstabsgetreu.

Ravulizumab blockiert das Ende der Komplementkette

Komplementprotein C5RavulizumabMAC-Ablagerungen
  1. Das Komplementsystem funktioniert wie eine Kette von Signalschritten; an ihrem Ende spaltet das Protein C5 in die Bruchstücke C5a und C5b, und aus C5b geht der Membranangriffskomplex (C5b-9) hervor.
  2. Ravulizumab ist ein monoklonaler IgG2/4K-Antikörper, der spezifisch an das Komplementprotein C5 bindet und dadurch dessen Spaltung in C5a (das proinflammatorische Anaphylatoxin) und C5b (die initiierende Untereinheit des Membranangriffskomplexes [MAC oder C5b-9]) hemmt und die Bildung des C5b-9 verhindert.
  3. Ravulizumab blockiert genau diesen Endpunkt: es bindet C5 spezifisch, verhindert die Spaltung und die Bildung von C5b-9, während die frühen Komponenten der Komplementaktivierung erhalten bleiben.
  4. Bei gMG führt die Aktivierung des terminalen Komplements zu MAC-Ablagerungen an den neuromuskulären Verbindungsstellen und zu einer Beeinträchtigung der neuromuskulären Übertragung.
Wie Ravulizumab wirkt

Zielstruktur: Komplementprotein C5

Ravulizumab ist ein monoklonaler IgG2/4K-Antikörper, der spezifisch an das Komplementprotein C5 bindet und dadurch dessen Spaltung in C5a (das proinflammatorische Anaphylatoxin) und C5b (die initiierende Untereinheit des Membranangriffskomplexes [MAC oder C5b-9]) hemmt und die Bildung des C5b-9 verhindert.

Zugelassene Anwendungsgebiete

Zulassungen unterscheiden sich je nach Land und ändern sich im Zeitverlauf. Maßgeblich ist stets die aktuelle Fachinformation.

Zugelassene Anwendungsgebiete in European Union

EMA
  • Paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie (PNH)
  • Ultomiris wird angewendet zur Behandlung erwachsener und pädiatrischer Patienten ab einem Körpergewicht von 10 kg mit PNH:
  • • bei Patienten mit Hämolyse zusammen mit einem oder mehreren klinischen Symptomen als Hinweis auf eine hohe Krankheitsaktivität,
  • • bei Patienten, die klinisch stabil sind, nachdem sie mindestens während der vergangenen 6 Monate mit Eculizumab behandelt wurden.
  • Atypisches hämolytisch-urämisches Syndrom (aHUS)
  • Ultomiris wird angewendet zur Behandlung erwachsener und pädiatrischer Patienten ab einem Körpergewicht von 10 kg mit aHUS, die zuvor nicht mit Komplementinhibitoren behandelt worden waren oder Eculizumab mindestens 3 Monate lang erhalten und nachweislich auf Eculizumab angesprochen haben.
  • Generalisierte Myasthenia gravis (gMG)
  • Ultomiris wird angewendet als Zusatztherapie zu einer Standardbehandlung bei erwachsenen Acetylcholinrezeptor (AChR)-Antikörper-positiven Patienten mit gMG.
  • Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung (NMOSD)
  • Ultomiris wird angewendet zur Behandlung erwachsener Patienten mit NMOSD, die positiv für Anti-Aquaporin-4(AQP4)-Antikörper sind (siehe Abschnitt 5.1).

Offizielle Quellen

Die Aussagen auf dieser Seite lassen sich auf diese Dokumente zurückführen.

Diese Seite erklärt, wie das Medikament im Körper wirkt – die Packungsbeilage ersetzt sie nicht. Für alles, was Sie konkret betrifft, gilt: Packungsbeilage lesen oder in der Apotheke nachfragen.

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