Ocrelizumab
Ocrelizumab ist ein rekombinanter humanisierter monoklonaler Antikörper, der selektiv gegen CD20-exprimierende B-Zellen gerichtet ist (ATC-Code: L04AG08). Im zentralen EU-Verfahren wird es zur Behandlung erwachsener Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose mit aktiver Erkrankung und mit früher primär progredienter Multipler Sklerose angewendet.
Ocrelizumab ist in der EU im zentralen Verfahren zugelassen (Zulassungsnummern EU/1/17/1231/…; Inhaber der Zulassung: Roche Registration GmbH, Emil-Barell-Straße 1, 79639 Grenzach-Wyhlen, Deutschland); die deutsche Fassung der Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (SmPC, Anhang I) wird von der Europäischen Arzneimittel-Agentur veröffentlicht und ist die Grundlage dieser Seite. Die Anwendungsgebiete sind wörtlich Abschnitt 4.1 der zitierten deutschen SmPC entnommen (Textbasis: Ocrevus 300 mg Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung; der zweite SmPC-Block – Ocrevus 920 mg Injektionslösung zur subkutanen Anwendung – führt in Abschnitt 4.1 denselben Wortlaut). Die Zeitangabe „Stand der Information“ ist in der zitierten Anhang-Fassung nicht ausgefüllt; deshalb wird auf dieser Seite kein Stand-Datum ausgewiesen.
Die Aussagen zum Wirkmechanismus (mechanism simple/advanced) stehen wörtlich in Abschnitt 5.1 (Wirkmechanismus / Pharmakodynamische Eigenschaften) der deutschen EMA-Dokumentation und wurden gegen den US-amerikanischen FDA-Label für OCREVUS (12.1 Mechanism of Action) in der Faktenrichtung abgeglichen; der FDA-Label betrifft das US-Produkt und trifft keine Aussage über eine Zulassung in Deutschland oder der EU. Die Target-Angabe ist einzelbelegt und wörtlich Abschnitt 5.1 der EMA-Dokumentation entnommen. Die Sätze zu B-Zellen-Rekonstitution und zu angeborener Immunität/T-Zellen sind einzelbelegt (FDA 12.1 schweigt, widerspricht nicht) – mit Vermerk behalten; die Angabe der CD20-Merkmale auf B-Gedächtniszellen und die Auslassung von Stamm-/Plasmazellen ist im FDA-Label nur teilweise gespiegelt (»pre-B and mature B lymphocytes«). Nicht übernommen wurden die quantitativen Pharmakodynamik-Angaben des Unterblocks „Pharmakodynamische Wirkungen“ aus 5.1 (CD19-Zellzahlen, Repletion in bis zu 5 % bzw. median 72 Wochen, 90 %-Wert nach ca. 2,5 Jahren): sie beschreiben Studiendaten und nicht den Wirkmechanismus; zudem weicht die SmPC-Zahl für Repletionen (»bis zu 5 %«) von der FDA-Angabe (»0.3 % to 4.1 %«) ab und wurde deshalb nicht auf die Seite genommen. Dosierung, Gegenanzeigen, Warnhinweise, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen stehen vollständig in SmPC und Packungsbeilage. Diese Seite ist Information, kein medizinischer Rat.
Wie es wirkt
Erklärt, was das Medikament im Körper bewirkt – nicht Dosierung, Nebenwirkungen oder Sicherheit.
Eine Analogie
CD20 ist ein Oberflächenmerkmal bestimmter B-Zellen, die bei Multipler Sklerose als Mitverursacher der Schädigung diskutiert werden. Ocrelizumab heftet sich an dieses Merkmal und markiert die Zellen zur Beseitigung: Die Zahl und Funktion der CD20-tragenden B-Zellen sinkt, während Stammzellen und Plasmazellen – und damit die bereits aufgebaute Antikörper-Immunität – weitgehend verschont bleiben.
Einfach erklärt
Ocrelizumab ist ein rekombinanter humanisierter monoklonaler Antikörper, der selektiv gegen CD20-exprimierende B-Zellen gerichtet ist. CD20 ist ein Zelloberflächenantigen, das auf Prä-B-Zellen, reifen B-Zellen und B-Gedächtniszellen, jedoch nicht auf lymphoiden Stammzellen und Plasmazellen exprimiert wird. Auf welchen Wirkmechanismen der therapeutische Effekt von Ocrelizumab bei der MS beruht, ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass die Reduktion der Anzahl und Funktion der CD20-exprimierenden B-Zellen, d. h. eine Immunmodulation, eine Rolle spielt.
Im Detail
Nach der Bindung an die Zelloberfläche depletiert Ocrelizumab selektiv CD20-exprimierende B-Zellen mittels Antikörper-abhängiger zellulärer Phagozytose (ADCP, antibody-dependent cellular phagocytosis), Antikörper-abhängiger zellulärer Zytotoxizität (ADCC, antibody-dependent cellular cytotoxicity), komplementabhängiger Zytotoxizität (CDC; complement-dependent cytotoxicity) und Apoptose. Die Fähigkeit der B-Zellen-Rekonstitution und die vorbestehende humorale Immunität bleiben erhalten. Des Weiteren werden die angeborene Immunität und die Anzahl der T-Zellen nicht beeinträchtigt.
Den Mechanismus in Bewegung sehen
Schematische Animation des Mechanismus — zur Verständlichkeit vereinfacht, nicht maßstabsgetreu.
Ocrelizumab markiert die Zellen zur Beseitigung
- CD20 ist ein Oberflächenmerkmal bestimmter B-Zellen, die bei Multipler Sklerose als Mitverursacher der Schädigung diskutiert werden.
- CD20 ist ein Zelloberflächenantigen, das auf Prä-B-Zellen, reifen B-Zellen und B-Gedächtniszellen, jedoch nicht auf lymphoiden Stammzellen und Plasmazellen exprimiert wird.
- Nach der Bindung an die Zelloberfläche depletiert Ocrelizumab selektiv CD20-exprimierende B-Zellen mittels Antikörper-abhängiger zellulärer Phagozytose (ADCP, antibody-dependent cellular phagocytosis), Antikörper-abhängiger zellulärer Zytotoxizität (ADCC, antibody-dependent cellular cytotoxicity), komplementabhängiger Zytotoxizität (CDC; complement-dependent cytotoxicity) und Apoptose.
- Die Fähigkeit der B-Zellen-Rekonstitution und die vorbestehende humorale Immunität bleiben erhalten.
Zielstruktur: CD20
Ocrelizumab ist ein rekombinanter humanisierter monoklonaler Antikörper, der selektiv gegen CD20-exprimierende B-Zellen gerichtet ist.
Zugelassene Anwendungsgebiete
Zulassungen unterscheiden sich je nach Land und ändern sich im Zeitverlauf. Maßgeblich ist stets die aktuelle Fachinformation.
Zugelassene Anwendungsgebiete in European Union
EMA- Ocrevus ist angezeigt zur Behandlung erwachsener Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose (RMS, relapsing multiple sclerosis) mit aktiver Erkrankung, definiert durch klinischen Befund oder Bildgebung (siehe Abschnitt 5.1).
- Ocrevus ist angezeigt zur Behandlung erwachsener Patienten mit früher primär progredienter Multipler Sklerose (PPMS, primary progressive multiple sclerosis), charakterisiert anhand der Krankheitsdauer und dem Grad der Behinderung, sowie mit Bildgebungsmerkmalen, die typisch für eine Entzündungsaktivität sind (siehe Abschnitt 5.1).
Offizielle Quellen
Die Aussagen auf dieser Seite lassen sich auf diese Dokumente zurückführen.
- Ocrevus – Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Anhang I, deutsche Fassung)
Roche Registration GmbH
- OCREVUS (ocrelizumab) – US-FDA-Arzneimittelinformation (openFDA-Label), 12.1 Mechanism of Action
U.S. Food and Drug Administration
- S2e-Leitlinie Multiple Sklerose - AWMF 030-050, 2022
AWMF - Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
Diese Seite erklärt, wie das Medikament im Körper wirkt – die Packungsbeilage ersetzt sie nicht. Für alles, was Sie konkret betrifft, gilt: Packungsbeilage lesen oder in der Apotheke nachfragen.
MedUnfold bietet Bildungsinhalte und ersetzt keinen medizinischen Rat. Folgen Sie stets der aktuellen Fachinformation und Ihrer medizinischen Fachperson.