Abatacept
Abatacept ist ein Fusionsprotein aus der extrazellulären Domäne des humanen zytotoxischen T-Lymphozyten-Antigens-4 (CTLA-4) gebunden an einen modifizierten Fc-Teil des humanen Immunglobulins G1 (IgG1) und gehört zur Gruppe der Selektiven Immunsuppressiva (ATC-Code: L04AA24). Im zentralen EU-Verfahren wird es zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis, der Psoriasis-Arthritis und der polyartikulären juvenilen idiopathischen Arthritis angewendet.
Abatacept ist in der EU im zentralen Verfahren zugelassen (Zulassungsnummern EU/1/07/389/…; Inhaber der Zulassung: Bristol-Myers Squibb Pharma EEIG, Plaza 254 Blanchardstown, Corporate Park 2, Dublin 15, D15 T867, Irland); die deutsche Fassung der Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (SmPC, Anhang I) wird von der Europäischen Arzneimittel-Agentur veröffentlicht und ist die Grundlage dieser Seite. Die Anwendungsgebiete sind wörtlich Abschnitt 4.1 der zitierten deutschen SmPC entnommen (Textbasis: Orencia-Injektionslösung in einer Fertigspritze; das Dokument enthält weitere formulierungsspezifische SmPC mit abgestuften Teilgebieten – im Block 250 mg Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung ist die pJIA-Indikation auf Patienten ab 6 Jahren beschränkt, der Fertigpen-Block führt keine pädiatrische Indikation). Die Zeitangabe „Stand der Information“ ist in der zitierten Anhang-Fassung nicht ausgefüllt; deshalb wird auf dieser Seite kein Stand-Datum ausgewiesen. Die in der US-Arzneimittelinformation genannte Indikation zur Prophylaxe der akuten Graft-versus-Host-Erkrankung ist kein Anwendungsgebiet der zitierten deutschen SmPC und wurde nicht übernommen.
Die Aussagen zum Wirkmechanismus (mechanism simple/advanced) stehen wörtlich in Abschnitt 5.1 (Pharmakodynamische Eigenschaften; Wirkmechanismus und Pharmakodynamische Wirkungen) der deutschen EMA-Dokumentation und wurden gegen den US-amerikanischen FDA-Label für ORENCIA (12.1 Mechanism of Action, 12.2 Pharmacodynamics) in der Faktenrichtung abgeglichen; der FDA-Label betrifft das US-Produkt und trifft keine Aussage über eine Zulassung in Deutschland oder der EU. Die Target-Angabe ist einzelbelegt und wörtlich Abschnitt 5.1 der EMA-Dokumentation entnommen. Nicht übernommen wurde der Hinweis des FDA-Labels, dass der Zusammenhang dieser biologischen Response-Marker mit den klinischen Effekten von ORENCIA unbekannt ist, sowie der Tierversuch zur Kollagen-Arthritis im Detail – die Seite gibt keine Tiermodelldaten wieder, wo die deutsche Fassung nur die zusammenfassende Formulierung „Im Rahmen von in-vitro-Studien und Tierversuchen“ verwendet. Dosierung, Gegenanzeigen, Warnhinweise, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen stehen vollständig in SmPC und Packungsbeilage. Diese Seite ist Information, kein medizinischer Rat.
Wie es wirkt
Erklärt, was das Medikament im Körper bewirkt – nicht Dosierung, Nebenwirkungen oder Sicherheit.
Eine Analogie
Ein T-Lymphozyt wird nicht durch ein einzelnes Kommando aktiviert, sondern nur, wenn zwei Signale zusammenkommen: das Erkennen eines bestimmten Antigens über den T-Zell-Rezeptor (Signal 1) und ein zweites, verstärkendes Signal (das costimulatorische Signal). Abatacept setzt an diesem zweiten Signal an und blockiert es gezielt, indem es sich an die Andockstellen CD80 und CD86 auf der antigenpräsentierenden Zelle heftet. So bleibt das Zusatzsignal aus – die T-Zelle wird nicht mehr voll aktiviert und die Entzündung klingt ab. Besonders betroffen sind dabei neue (naive) T-Zellen, weniger die bereits vorhandenen Gedächtniszellen.
Einfach erklärt
Abatacept moduliert selektiv ein wichtiges costimulatorisches Signal, das für die volle Aktivierung der CD28 exprimierenden T-Lymphozyten benötigt wird. Ein wichtiger costimulatorischer Signalweg beinhaltet die Bindung von CD80- und CD86-Molekülen auf der Oberfläche der antigenpräsentierenden Zellen an den CD28-Rezeptor auf den T-Lymphozyten (Signal 2). Abatacept hemmt diesen costimulatorischen Signalweg selektiv, indem es spezifisch an CD80 und CD86 bindet.
Im Detail
Im Rahmen von in-vitro-Studien und Tierversuchen wurde nachgewiesen, dass Abatacept die T-Lymphozyten-abhängige Immunantwort und Entzündung moduliert. In vitro schwächt Abatacept die Aktivierung von humanen T-Lymphozyten, messbar als verminderte Proliferation und Zytokin-Produktion. Abatacept verringert die antigenspezifische Produktion von TNFα, Interferon-γ und Interleukin-2 durch T-Lymphozyten. Studien haben gezeigt, dass Abatacept die Antwort von naiven T-Lymphozyten stärker beeinträchtigt als die von T-Gedächtniszellen. Unter Abatacept kam es zu einer dosisabhängigen Reduktion der Serumspiegel von löslichem Interleukin-2-Rezeptor (einem Marker für die T-Lymphozyten-Aktivierung), von Serum-Interleukin-6 (einem Produkt von aktivierten synovialen Makrophagen und fibroblastenähnlichen Synoviozyten bei der Rheumatoiden Arthritis), von Rheumafaktor (einem durch Plasmazellen gebildeten Autoantikörper) und von C-reaktivem Protein (einem akute-Phase-Reaktanten bei Entzündungen). Darüber hinaus verringerten sich die Serumspiegel von Matrixmetalloproteinase-3, die Knorpelabbau und Gewebeveränderungen verursacht.
Den Mechanismus in Bewegung sehen
Schematische Animation des Mechanismus — zur Verständlichkeit vereinfacht, nicht maßstabsgetreu.
Wie Abatacept den costimulatorischen Signalweg hemmt
- Ein T-Lymphozyt wird nicht durch ein einzelnes Kommando aktiviert, sondern nur wenn zwei Signale zusammenkommen: „Das Erkennen eines spezifischen Antigens durch einen T-Zell-Rezeptor (Signal 1) und ein zweites, das costimulatorische Signal.“
- Ein wichtiger costimulatorischer Signalweg beinhaltet die Bindung von CD80- und CD86-Molekülen auf der Oberfläche der antigenpräsentierenden Zellen an den CD28-Rezeptor auf den T-Lymphozyten (Signal 2).
- Abatacept hemmt diesen costimulatorischen Signalweg selektiv, indem es spezifisch an CD80 und CD86 bindet.
- Damit bleibt das Zusatzsignal aus – die T-Zell-Antwort und die Entzündung klingen ab.
Zielstruktur: CD80 und CD86 auf antigenpräsentierenden Zellen
Abatacept hemmt diesen costimulatorischen Signalweg selektiv, indem es spezifisch an CD80 und CD86 bindet.
Zugelassene Anwendungsgebiete
Zulassungen unterscheiden sich je nach Land und ändern sich im Zeitverlauf. Maßgeblich ist stets die aktuelle Fachinformation.
Zugelassene Anwendungsgebiete in European Union
EMA- Rheumatoide Arthritis
- ORENCIA ist in Kombination mit Methotrexat (MTX) indiziert zur:
- Behandlung der mäßigen bis schweren aktiven Rheumatoiden Arthritis (RA) bei Erwachsenen, die unzureichend auf eine vorangegangene Behandlung mit einem oder mehreren krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARDs), einschließlich Methotrexat oder eines Tumornekrosefaktor (TNF)-alpha-Inhibitors ansprachen.
- Behandlung der hochaktiven und progressiven Rheumatoiden Arthritis bei Erwachsenen, die zuvor nicht mit Methotrexat behandelt worden sind.
- Abatacept reduziert in Kombination mit Methotrexat die Progression der Gelenkschädigung und verbessert die körperliche Funktionsfähigkeit.
- Psoriasis-Arthritis
- ORENCIA ist allein oder in Kombination mit Methotrexat (MTX) indiziert zur Behandlung der aktiven Psoriasis-Arthritis (PsA) bei erwachsenen Patienten, die unzureichend auf vorangegangene DMARDs einschließlich Methotrexat ansprachen und für die eine zusätzliche systemische Therapie für psoriatische Hautläsionen nicht notwendig ist.
- Polyartikuläre juvenile idiopathische Arthritis
- ORENCIA ist in Kombination mit Methotrexat indiziert zur Behandlung der mäßigen bis schweren aktiven polyartikulären juvenilen idiopathischen Arthritis (pJIA) bei pädiatrischen Patienten ab 2 Jahren, wenn das Ansprechen auf eine vorherige DMARD Therapie, einschließlich MTX, nicht ausreichend war.
- Orencia kann als Monotherapie angewendet werden, wenn eine Intoleranz gegenüber Methotrexat besteht oder wenn eine Behandlung mit Methotrexat nicht angezeigt ist.
Offizielle Quellen
Die Aussagen auf dieser Seite lassen sich auf diese Dokumente zurückführen.
- Orencia – Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Anhang I, deutsche Fassung)
Bristol-Myers Squibb Pharma EEIG
- Orencia (abatacept) – US-FDA-Arzneimittelinformation (openFDA-Label), 12.1 Mechanism of Action
U.S. Food and Drug Administration
Diese Seite erklärt, wie das Medikament im Körper wirkt – die Packungsbeilage ersetzt sie nicht. Für alles, was Sie konkret betrifft, gilt: Packungsbeilage lesen oder in der Apotheke nachfragen.
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