Sitagliptin
Sitagliptin ist ein potenter und hoch selektiver Inhibitor des Enzyms Dipeptidyl-Peptidase-4 (DPP-4) aus der Gruppe der oralen Antidiabetika. Im zentralen EU-Verfahren wird Januvia zur Verbesserung der Blutzuckerkontrolle bei erwachsenen Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus eingesetzt – als Monotherapie, in Zwei- und Dreifachkombinationen mit oralen Begleittherapien sowie zusätzlich zu Insulin.
Sitagliptin ist in der EU im zentralen Verfahren zugelassen (Zulassungsnummern EU/1/07/383/001–024 je nach Stärke; Inhaber der Zulassung nach §7 der zitierten deutschen Fassung: Merck Sharp & Dohme B.V., Waarderweg 39, 2031 BN Haarlem, Niederlande; Datum der Erteilung der Zulassung laut §9: 21. März 2007, letzte Verlängerung: 23. Februar 2012); die deutsche Fassung der Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (SmPC, Anhang I) wird von der Europäischen Arzneimittel-Agentur veröffentlicht und ist die Grundlage dieser Seite. Die Anwendungsgebiete sind wörtlich Abschnitt 4.1 der zitierten deutschen SmPC entnommen (Textbasis: der gemeinsame Anhang-I-SmPC-Block für Januvia 25 mg / 50 mg / 100 mg Filmtabletten; die Aufzählungszeichen „•“ und die Zwischenüberschriften der Quelle bleiben als Quellform erhalten). Die Zeitangabe „Stand der Information“ ist in der zitierten Anhang-Fassung nicht ausgefüllt; deshalb wird auf dieser Seite kein Stand-Datum ausgewiesen.
Die Aussagen zum Wirkmechanismus (mechanism simple/advanced) stehen wörtlich in Abschnitt 5.1 (Pharmakodynamische Eigenschaften; Unterabschnitt Wirkmechanismus) der deutschen EMA-Dokumentation und wurden gegen den US-amerikanischen FDA-Label für JANUVIA (12.1 Mechanism of Action, 12.2 Pharmacodynamics) in der Faktenrichtung abgeglichen; der FDA-Label betrifft das US-Produkt und trifft keine Aussage über eine Zulassung in Deutschland oder der EU. Die Target-Angabe ist einzelbelegt und wörtlich Abschnitt 5.1 der EMA-Dokumentation entnommen. Nicht übernommen wurden aus Abschnitt 5.1 die physiologischen Einschübe zur GLP-1-/GIP-Wirkung an Pankreaszellen und peripherem Gewebe (cyclo-AMP, Beta-Zell-Sensibilität, Alpha-Zellen, hepatische Glukoseproduktion), weil sie den Rahmen der drei Mechanismus-Ebenen dieser Seite sprengen; ihre Kernaussagen bleiben durch die wörtlich übernommenen Sätze gedeckt. Der Unterblock „Pharmakodynamische Wirkungen“ existiert in dieser deutschen Fassung nicht – Abschnitt 5.1 führt ausschließlich den Wirkmechanismus (Ein-Form-Fall wie de/pregabalin und de/ustekinumab); die zweitägige Gesundenstudie zu Sitagliptin/Metformin und aktiven GLP-1-/GIP-Konzentrationen (US-seitig in 12.2 gespiegelt) wurde aus demselben Grund nicht aufgeführt. Dosierung, Gegenanzeigen, Warnhinweise, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen stehen vollständig in SmPC und Packungsbeilage. Diese Seite ist Information, kein medizinischer Rat.
Wie es wirkt
Erklärt, was das Medikament im Körper bewirkt – nicht Dosierung, Nebenwirkungen oder Sicherheit.
Eine Analogie
Nach dem Essen schüttet der Darm Inkretine aus (GLP-1 und GIP), die die Insulinfreisetzung anregen und die Glucagonabgabe dämpfen – der Blutzucker steigt weniger stark an. Das Enzym DPP-4 baut die Inkretine rasch wieder ab. Sitagliptin bremst genau diesen Abbau: die aktiven Inkretine bleiben länger nachweisbar, die glukoseabhängige Insulin-/Glucagon-Regulation wird verstärkt. Weil der Mechanismus an den Glukosespiegel gekoppelt bleibt, senkt Sitagliptin den Blutzucker nicht unabhängig davon.
Einfach erklärt
Januvia gehört zu einer Substanzklasse oraler Antidiabetika, den sog. Dipeptidyl-Peptidase-4 (DPP-4)-Inhibitoren, welche die Blutzuckerkontrolle bei Typ-2-Diabetikern wahrscheinlich dadurch verbessern, indem sie die Spiegel der aktiven Inkretinhormone anheben. Die Aktivität von GLP-1 und GIP wird durch das Enzym DPP-4 begrenzt, welches die Inkretine rasch zu inaktiven Produkten abbaut. Sitagliptin verhindert den durch DPP-4 bedingten Abbau der Inkretine und erhöht somit die Plasmakonzentrationen der aktiven Formen von GLP-1 und GIP.
Im Detail
Indem Sitagliptin die Spiegel aktiver Inkretine erhöht, steigert es die Insulinfreisetzung und senkt die Glucagonspiegel jeweils glukoseabhängig. Bei Typ-2-Diabetikern mit Hyperglykämie führen diese Veränderungen der Insulin- und Glucagonspiegel zu einer Reduzierung des Hämoglobin A1c (HbA1c) und niedrigeren Nüchtern- und postprandialen Blutzuckerwerten. Der glukoseabhängige Wirkmechanismus von Sitagliptin unterscheidet sich von dem der Sulfonylharnstoffe, welche auch bei niedrigen Glukosespiegeln die Insulinfreisetzung erhöhen, was bei Typ-2-Diabetikern und gesunden Personen zu Hypoglykämien führen kann. Sitagliptin ist ein potenter und hoch selektiver Inhibitor des DPP-4-Enzyms und hemmt in therapeutischen Konzentrationen nicht die eng verwandten Enzyme DPP-8 oder DPP-9.
Den Mechanismus in Bewegung sehen
Schematische Animation des Mechanismus — zur Verständlichkeit vereinfacht, nicht maßstabsgetreu.
Wie Sitagliptin den Abbau der Inkretine bremst
- Nach dem Essen schüttet der Darm Inkretine aus (GLP-1 und GIP), die die Insulinfreisetzung anregen und die Glucagonabgabe dämpfen – der Blutzucker steigt weniger stark an.
- Das Enzym DPP-4 baut die Inkretine rasch wieder ab.
- Sitagliptin verhindert den durch DPP-4 bedingten Abbau der Inkretine und erhöht die Konzentrationen ihrer aktiven Formen.
- Sitagliptin senkt HbA1c und die Blutzuckerwerte bei Typ-2-Diabetikern.
Zielstruktur: Dipeptidyl-Peptidase-4 (DPP-4)
Sitagliptin ist ein potenter und hoch selektiver Inhibitor des DPP-4-Enzyms und hemmt in therapeutischen Konzentrationen nicht die eng verwandten Enzyme DPP-8 oder DPP-9.
Zugelassene Anwendungsgebiete
Zulassungen unterscheiden sich je nach Land und ändern sich im Zeitverlauf. Maßgeblich ist stets die aktuelle Fachinformation.
Zugelassene Anwendungsgebiete in European Union
EMA- Bei erwachsenen Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus ist Januvia indiziert zur Verbesserung der Blutzuckerkontrolle:
- Als Monotherapie:
- • bei Patienten, bei denen Diät und Bewegung allein den Blutzucker nicht ausreichend senken und für die Metformin aufgrund von Gegenanzeigen oder Unverträglichkeit nicht geeignet ist.
- Als orale Zweifachtherapie in Kombination mit:
- • Metformin, wenn Diät und Bewegung plus eine Monotherapie mit Metformin den Blutzucker nicht ausreichend senken.
- • einem Sulfonylharnstoff, wenn Diät und Bewegung plus eine Monotherapie mit einem Sulfonylharnstoff in der höchsten vertragenen Dosis den Blutzucker nicht ausreichend senken und wenn Metformin aufgrund von Gegenanzeigen oder Unverträglichkeit nicht geeignet ist.
- • einem Peroxisomal Proliferator-activated Receptor gamma(PPARγ)-Agonisten (d. h. einem Thiazolidindion), wenn die Anwendung eines PPARγ-Agonisten angebracht ist und Diät und Bewegung plus Monotherapie mit einem PPARγ-Agonisten den Blutzucker nicht ausreichend senken.
- Als orale Dreifachtherapie in Kombination mit:
- • einem Sulfonylharnstoff und Metformin, wenn Diät und Bewegung plus eine Zweifachtherapie mit diesen Arzneimitteln den Blutzucker nicht ausreichend senken.
- • einem PPARγ-Agonisten und Metformin, wenn die Anwendung eines PPARγ-Agonisten angebracht ist und Diät und Bewegung plus eine Zweifachtherapie mit diesen Arzneimitteln den Blutzucker nicht ausreichend senken.
- Januvia ist auch zusätzlich zu Insulin indiziert (mit oder ohne Metformin), wenn Diät und Bewegung sowie eine stabile Insulindosis den Blutzucker nicht ausreichend senken.
Offizielle Quellen
Die Aussagen auf dieser Seite lassen sich auf diese Dokumente zurückführen.
- Januvia – Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Anhang I, deutsche Fassung)
Merck Sharp & Dohme B.V.
- JANUVIA (sitagliptin) – US-FDA-Arzneimittelinformation (openFDA-Label), 12.1 Mechanism of Action
U.S. Food and Drug Administration
Diese Seite erklärt, wie das Medikament im Körper wirkt – die Packungsbeilage ersetzt sie nicht. Für alles, was Sie konkret betrifft, gilt: Packungsbeilage lesen oder in der Apotheke nachfragen.
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